Montag, 19. Dezember 2011

Wer gründet aus der Arbeitslosigkeit? IZA Studie

Der typische Gründer ist männlich (nur 35% Frauen), 40,5 Jahre alt und hat einen Realschulabschluss (oder höher). Er hat zum Zeitpunkt der Gründung noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von über 7 Monaten... Dieses wurde in der IZA- Studie "Alte Idee, neues Programm: Der Gründungszuschuss als Nachfolger von Überbrückungsgeld und Ich-AG"  im Oktober 2011 festgestellt.

Etwas erschreckend ist, dass 15% der Gründer behaupten, sie hätten keinen "Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan" erstellt, was grundsätzlich unmöglich ist, da der Zuschuss das Vorhandensein dieser Unterlagen voraussetzt. Sollte es daran liegen, dass manche Gründer sich nicht mit ihren Zahlen identifizieren?

Die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit der Existenzgründung wird in Deutschland West zu 38% von Steuerberatern erstellt, was bei bestimmten Agenturen für Arbeit Skepsis auslösen würde, da die Gefahr von Gefälligkeitsgutachten recht hoch scheint. (Meiner Meinung nach ist es bei Unternehmensberatern, die 9% der Stellungnahmen abgeben, nicht anders. Meine Lösung: mit dem Berater den BPlan vorbereiten und dann die zuständige Kammer einschalten!)  

Bedauernswert scheint mir, dass Selbsttests zur Gründungseignung im Internet nur von wenigen GründerInnen genutzt werden. Positiv: 90% der Geförderten konnten bereits vor der Gründung Erfahrungen sammeln

Während etwa 60% der Männer in den alten Bundesländern mit mindestens 5.000 Euro starteten, war dies nur bei 40% der Frauen im gleichen Landesteil der Fall. In Durchschnitt liegt das Startkapital bei 18.872 €, davon über 70% Eigenkapital. Vorhaben mit einem Kapitalbedarf von über 50.000 € gaben nur  8,9% der Geförderten an.

Geschlechterunterschiede zeigen sich auch bei den Verdiensten: "In Vollzeit arbeitende, weibliche Selbständige verdienen durchschnittlich 1.670 Euro netto pro Monat, während männliche Neuunternehmer bei monatlich etwa 2.500 Euro netto liegen."

In einer Zeit, in der die Kürzung des Gründungszuschusses von der Politik beschlossen wurde, zeigt das Institut zur Zukunft der Arbeit übrigens, dass der Mitnahmeeffekt von Gründungszuschüssen weit geringer ist, als die Politik es unterstellt.

Mehr über die Gründer und Gründerinnen, die sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen: IZA - Discussion Paper No. 6035  http://ftp.iza.org/dp6035.pdf

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